Zukunft - produzierendes Gewerbe

 Afrika’s Zukunft – produzierendes Gewerbe

In Afrika und der ganzen Welt haben hohe Wachstumsraten und steigende ausländische Investition eine Hoffnung geschaffen: Afrika ist auf dem Weg zur wirtschaftlichen Supermacht.

Diese Idee schaffte es in den letzten Jahren unter anderem auf die Cover vom „Time Magazine“ und dem „Economist“. Doch trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in einigen afrikanischen Ländern ist der Enthusiasmus fehlgeleitet. Er unterschlägt, dass Afrika in Wirklichkeit noch weit vom „Entwickeln“ entfernt ist – zumindest im traditionellen Sinn.

Populäre Maßnahmen wie „Armutsbekämpfung“ und der Fokus auf Sozialindikatoren (man denke an die Millenium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen) haben die konventionellen Indikatoren wirtschaftlicher Entwicklung völlig in den Hintergrund gedrängt. Wären die vormaligen Indikatoren noch auf der Agenda, würden wir beispielsweise auf andere Faktoren achten. Beispielsweise den Einfluss des produzierenden Sektors aufs Bruttoinlandsprodukt oder die Wertschöpfung dieses Sektors im Export achten. Diese Werte sind alarmierend.

Eine UN-Studie dieser Indikatoren fand heraus, dass der Großteil afrikanischer Länder – trotz Verbesserungen in wenigen Ländern – entweder stagnieren oder den Pfad der Industrialisierung zurückgehen. Der Anteil des produzierenden Sektors im afrikanischen Bruttoinlandsprodukt ging von 2000 bis 2008 von 12,8% auf 10,5% zurück. Gleichzeitig verringerte sich sein Anteil in den Exporten von 43% auf 39%. 23 afrikanische Länder weisen in diesem Bereich ein negatives Wachstum auf, und zwischen 1990 und 2010 wuchs die Produktion pro Kopf in lediglich fünf Ländern über 4%. Die Studie zeigt auch, dass Afrika in arbeitsintensiver Produktion den Anschluss verliert: Der Anteil des Kontinents an der weltweiten Niedrigtechnologiefertigung ging von 2000 bis 2008 um 3% zurück, die Exporte fielen gleichzeitig von 25% auf 18%. Solche Statistiken passen kaum zu einer „Wirtschaftsmacht Afrika“.

Der Grund dafür liegt auch heute noch in kolonialistischen Handelsmustern, die sich über die Jahre behauptet haben. Viele Länder exportieren lediglich Rohstoffe und importieren anschließend daraus hergestellte Güter aus den Industrieländern.

Das ist auch die Schuld der großen Industrieländer. Diese propagieren zwar den Freihandel, nutzen aber eine Vielzahl von Maßnahmen – wie Handelsbarrieren, Subventionen, niedrige Zinssätze, öffentlich geförderte Forschungsprojekte – um ihre Industriesektoren aufzubauen. Eigentlich müssten afrikanische Länder die gleichen Tricks anwenden, um auch einmal die Vorzüge der Industrialisierung genießen zu können. Doch es gibt ein Problem: Viele dieser Maßnahmen werden von der Welthandelsorganisation verboten oder von bilateralen Handels- und Investitionsverträgen eingeschränkt, die reiche Länder den afrikanischen Staaten aufzwingen.

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